Berichte über Umwelt und Natur aus dem Bereich der Stadt Steinheim

Naturschutz mit dem Bagger

Landschaftspflegearbeiten im Naturdenkmal Starenbad abgeschlossen

Hi-ND Starenbad-Ausbaggern 2

Wenn ein Bagger in einem geschützten Biotop steht, das sogar als Naturdenkmal ausgewiesen ist, könnte man Schlimmes befürchten. Es kann sich aber auch um eine sinnvolle Naturschutzmaßnahme handeln. Das war nun im Höpfigheimer Naturdenkmal Starenbad der Fall. Das Starenbad sind drei durch Feldgehölze eingewachsene Tümpel, die sich im Winter mit Wasser füllen. Eine Lehmschicht sorgt dafür, dass das Wasser nicht versickert und so bis in den Frühsommer hinein stehen bleibt. Das sind ideale Bedingungen für Amphibien. Denn die relativ kleinen Wasserflächen erwärmen sich im Frühjahr schnell und das Austrocknen im Hochsommer sorgt dafür, dass sich keine Fische als Fressfeinde halten können.

Hi-ND Starenbad-Ausbaggern 1

Mit einem Minibagger wird eine dicke Schicht aus verrottetem Laub aus dem Naturdenkmal Starenbad entfernt.
Allerdings brauchen solche speziellen Lebensräume auch Pflege, damit sie ihre ökologische Wertigkeit auf Dauer behalten. In den letzten Jahren wurden schon die Gehölze rund um die Wasserflächen zurück geschnitten und auf Stock gesetzt. Damit konnte die Beschattung der Wasserfläche reduziert werden. Im vergangenen Jahr wurden dann die beiden kleinen Tümpel in Handarbeit von dem Laub und Streu der letzten Jahrzehnte befreit. Denn diese Mullschicht, die immer dicker wurde, reduzierte das Wasserspeichervermögen und verschlechtere die Wasserqualität.
Der größte der drei Teiche wurde nun mit einem Minibagger bearbeitet. Gut 30 cm Mullschicht wurde entnommen, ohne die Lehmschicht zu beeinträchtigen. Nun fassen die Tümpel wieder so viel Regenwasser, dass sie nicht austrocknen bevor der Nachwuchs von Molchen, Frösche und Lurchen seine Entwicklung abgeschlossen hat. Für die nächsten Jahre kann nun wieder Ruhe in dem Naturdenkmal einkehren.

Nach der Pflegeaktion kann das Biotop wieder mehr Regenwasser aufnehmen und trocknet damit nicht mehr zu früh aus.
Alle Maßnahmen an dem Naturdenkmal wurden in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Umwelt des Landratsamts Ludwigsburg durchgeführt. Das Land Baden-Württemberg hat die Maßnahme auch mit einem Zuschuss unterstützt.


Unterricht in der Natur

Gemeinsame Aktion der Blankensteinschule, Naturschutzvereinen und der Stadt Steinheim
Am Samstag gab es für 18 Schüler der Blankensteinschule ein ganz anderes Klassenzimmer. Nicht in der Schule, sondern im auf einer Baumwiese im Steinheimer Gewann Seefeld fand der Unterricht statt. Wobei sich auch der Unterricht und die Lehrer diesmal ganz erheblich vom normalen Schulalltag unterschieden. Auf dem Stundenplan stand ein Arbeitseinsatz zur Baum- und Heckenpflege. Neben ihrem Lehrer Walter Zimmer wurden die Jungs auch von Max Kubitscheck, dem Naturschutzwart des Schwäbischen Albvereins (SAV), Eckhard Baum, dem Obstbaumexperten der Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen Steinheim (ASS) und Eric Hirsch, dem Umweltbeauftragten der Stadt Steinheim betreut. Dass auch Bürgermeister Thomas Rosner zur Begrüßung gekommen ist, hat die Besonderheit dieses Unterrichts noch unterstrichen.

Hi-Naturschutzaktion 26.02.11-2
Das Schnittgut aus der Heckenpflege schichteten die Schüler vor Ort zu einer Benjeshecke auf.​

Der Arbeitstruppe aus Schülern und ehrenamtlichen Naturschützern wurde zu Beginn der Aktion von
Bürgermeister Thomas Rosner begrüßt.

Nach einer kurzen Einleitung und Arbeitsbesprechung wurden gleich Sägen, Astscheren und Gabeln an die Schüler verteilt. Eine Gruppe begann mit Eckard Baum die alten Streuobstbäume vorsichtig auszulichten. Zwei Gruppen machten sich daran, eine schmale Hecke die das Grundstück begrenzt, zu pflegen. Die Fläche hat die Blankensteinschule seit vielen Jahren als praktische Ergänzung zu ihrem Unterricht „Natur und Technik“ von der Stadt Steinheim gepachtet. In wechselnder Zusammensetzung wird die Fläche von Schülern der 8. Klassen betreut. In den letzten Jahren wurden einige der alten Obstbäume wieder von Gebüsch befreit, damit ihr Obst geerntet werden konnte. Daraus wurde dann an einer Saftpresse Saft für das Schülercafe hergestellt.

Nachdem nun größere Eingriffe in die Fläche notwenig waren, hat die Schule die Stadtverwaltung um Hilfe gebeten. Dort wurde der Kontakt zu den beiden Steinheimer Naturschutzvereinen hergestellt. So kam es, dass am Samstag Schüler und ehrenamtliche Naturschützer gemeinsam Obstbäume und Hecken pflegten.

Für beide Seiten war dies eine interessante Erfahrung. Denn die erfahrenen Naturschützer waren erstaunt, dass den Schülern viele Zusammenhänge in der Natur nicht bekannt sind. Die meisten der Jungs dachten bisher, die Natur kann man sich selbst überlassen, da muss nichts gemacht werden. Dafür überraschten sie ihre Ausbilder an diesem Tag mit großem Einsatz.



Die Schüler haben gelernt, dass unsere Kulturlandschaft durch das Wirken der Menschen entstanden ist und nur durch regelmäßige Pflege erhalten werden kann. Welch harte Arbeit das sein kann, ist den Schülern nun auch klar. Nach vier Stunden Pflegeeinsatz lies es sich Bürgermeister Rosner nicht nehmen, nochmals nach dem Arbeitsergebnis zu sehen. Das konnte sich auch durchaus sehen lassen. Rund 60 m Hecke wurden durch das auf den Stock setzen der großwüchsigen Sträucher verjüngt. Das Schnittgut wurde gleich zu einer Benjeshecke aufgesetzt. Diese Strauchhecke bietet der Tierwelt vom ersten Tag eine Rückzugsmöglichkeit. Die Tiere tragen Samen ihrer Nahrungspflanzen ein, die im Schutz des Geästes keimen können. So entsteht Im Laufe der Zeit von alleine eine natürliche Hecke.
Darüber hinaus haben die Schüler 5 große Obstbäume ausgelichtet. Das kommt dem zukünftigen Obstertrag zu Gute, aber auch der ökologischen Wertigkeit der Bäume.

Beim abschließenden Vesper waren sich alle Beteiligten einig, dass dies eine gelungene Aktion war, die im kommenden Herbst wiederholt werden sollte.

Hi-Naturschutzaktion 26.02.11-3
Eckhard Baum von der ASS erklärte den Jungs der Blankensteinschule den richtigen Schnitt an Streuobstbäumen.​

Hecken an der Seestraße in Kleinbottwar wurden gepflegt

Mit dem Begriff ‚Natur’ wird zumeinst wild, ursprünglich und unberührt verbunden. Natur könnte man demnach sich selbst überlassen, Pflege und Betreuung braucht sie nicht.
Diese weit verbreitete Vorstellung trifft aber nur auf wenige, noch tatsächlich ursprüngliche, Naturbereiche zu. Doch bei uns gibt es kaum noch Naturlandschaften. Der Mensch hat im Laufe von Jahrhunderten durch sein wirtschaften eine Kulturlandschaft geschaffen. Diese Kulturlandschaft ist meist vielseitiger als unberührte Natur. Würde man bei uns die Bewirtschaftung der Kulturlandschaft vollständig einstellen, hätte sich durch die natürliche Sukzession in wenigen Jahren fast überall Wald entwickelt.
Streuobstwiesen, Auen, Säume und Hecken sind von Menschen gestaltete Strukturen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich aber unzählige Tier und Pflanzenarten auf diese neuen Lebensräume eingestellt. Die vom Menschen beeinflussten Biotope benötigen aber Pflege zu ihrem Erhalt. Entweder geschieht dies durch Bewirtschaftung, wie zum Beispiel bei Streuobstwiesen und Wiesenflächen. Wo kein wirtschaftliches Interesse an einer Bewirtschaftung besteht, muss dies durch Landschaftspflegemaßnahmen kompensiert werden.
So haben auch in diesem Winter wieder der städtische Bauhof und von der Stadt beauftragte Firmen vielfältige Landschaftspflegemaßnahmen durchgeführt. Es wurden Feldhecken verjüngt, Baumreihen ausgelichtet, Feuchtwiesenbereiche gemäht und Kopfweiden gepflegt.
Nach der Gehölzpflege zeigt sich deutlich, wie kahl die Böschung im Bodenbereich bereits ist.
Durch die Pflegemaßnahme wird sich diese im Laufe des kommenden Jahres ändern.
Eine Maßnahme des diesjährigen Landschaftspflegeprogramms war, den Heckenriegel zwischen der Seestraße und den Parkplätzen der Bottwartalhalle und die Böschung beim Pumpenhäuschen in der Seestraße zu verjüngen.
Dort hatten die Gehölze im Laufe der Zeit ein dichtes Dach gebildet. Weil dadurch keine Sonne mehr an den Boden kommen konnte, waren im Bodenbereich alle Pflanzen abgestorben. Als Folge wurde nach jedem Regen Erde aus der Böschung abgespült. Die Verarmung der Artenvielfalt hat darüber hinaus die Wertigkeit als Lebensraum für die heimische Tierwelt reduziert.
Ein Großteil der überständigen Gehölze wurde nun auf Stock gesetzt. Das bedeutet, sie werden rund 30 cm über dem Boden abgesägt. Was im ersten Moment sehr radikal aussieht, ist eine altbewährte Pflegemaßnahme. Denn durch den Neuaustrieb der Wurzelstöcke wird eine Verjüngung erreicht. Einige der größeren Bäume bleiben dabei als Überhalter stehen. Diese Gehölze sollen sich langfristig mit dem entsprechenden Standraum zu stabilen Einzelgbilden entwickeln.
Da nun wieder Sonne und Luft in den Bodenbereich vordringen, können auch wieder Kräuter und Gräser zwischen den Sträuchern Fuß fassen.
Der Boden wird dadurch gesichert und die Artenvielfalt nimmt zu. Insgesamt steigt dadurch der ökologische Wert an. Denn Tiere mögen Hecken und Feldgehölze am liebsten, die unten dicht und oben licht sind.

Nur durch diese Arbeitseinsätze können unsere Biotope als Lebensräume für Tiere und Pflanzen und als vielfältige Landschaftselemente erhalten werden.

Hi-Pflege Hecke Seestr. 2011

Vögel füttern im Winter - Infos und Tipps zur Winterfütterung

Wenn es langsam kälter wird, dann gibt es für die Menschen Lebkuchen und für die Vögel Meisenknödel. Jedes Jahr werden in unserem Land mehrere hundert Millionen Euro für Vogelfutter ausgegeben.
Denn die Winterfütterung von Vögeln macht Menschen einfach Freude. An den Futterstellen lassen sich die Tiere aus nächster Nähe beobachten. So kann das Füttern Artenkenntnis und Naturerlebnis vermitteln. Gegen ein maßvolles und richtiges Füttern von Gartenvögeln im Winter ist auch nichts einzuwenden. Dabei gibt es allerdings einige Dinge zu beachten. Denn bei der Fütterung sollten die Interessen der Tiere im Vordergrund stehen. Sonst kann sich das winterliche Füttern sogar nachteilig auf die gefiederten Freunde auswirken.

Hi-Meise im Winter
Überwinternden Vögeln hilft nur die richtige Unterstützung​


Es gibt viele Vogelhäuser in den Gärten. Nicht alle sind geeignet. (142,5 KiB)

Futterhäuschen müssen so gebaut und angebracht werden, dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann. Das Futter darf keinesfalls nass werden, da es sonst verdirbt oder vereist. Ideal sind Futtersilos, da sich keine Nahrungsreste sammeln können.
Reinigen Sie herkömmliche Futterhäuschen regelmäßig mit heißem Wasser und legen Sie täglich nur wenig Futter nach. Hygiene ist bei der Winterfütterung ein ganz wichtiger Faktor!

Richtig füttern - So geht es
Füttern Sie nur bei Frost oder geschlossener Schneedecke, dann aber regelmäßig bis sich die Wetterbedingungen wieder gebessert haben. Die Vögel finden bei starkem Frost oder Schnee kaum Futter und verbrauchen trotzdem viel Energie, um ihre Körpertemperatur von rund vierzig Grad gegen die Kälte der Umgebung aufrecht zu erhalten. Labormessungen haben ergeben, dass zum Beispiel Meisen in einer einzigen Kältenacht bis zu zehn Prozent ihres Gewichtes verlieren. Ein vorzeitiges Füttern zur Eingewöhnung ist aber nicht erforderlich! Schneit es im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr überraschend, genügt es bereits, kleine Rasenflächen schneefrei zu schaufeln. Während der Brutzeit im Frühjahr sollte auf keinen Fall gefüttert werden. Meisen bleiben dann bei den leichter erreichbaren Sonnenblumenkernen. Die damit gefütterten Jungvögel können die Sämereien aber nur sehr schwer verdauen, was oft zum Tod der Jungen führt.
Um die Übertragung und Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern, sollten die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. Tote Vögel weisen auf eine Infektion hin. Die Fütterung muss dann sofort abgebrochen und das Futterhaus gründlich desinfiziert werden. Die Salmonellenerkrankung tritt häufig an besonders großen Futterstellen auf, die von vielen Vögeln besucht werden. Mehrere kleine Futterstellen sind deshalb günstiger als große. Deshalb verwenden Sie am Besten Futtersilos, da hier das Futter nicht verdirbt und sich keine Nahrungsreste sammeln können. Mit der Futterstelle sollte mindestens 2 Meter Abstand zur nächsten Glasscheibe eingehalten werden. Wichtig ist auch, eine freie Position, dass sich keine Katzen anschleichen können.

Hi-Naturnaher Garten


Was für Futter ist geeignet?
Für Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Ammern:
Sonnenblumenkerne und Freiland-Futtermischungen.
Für Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Meisen, Amseln, Zaunkönig:
Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie, Meisenknödel.

Winterfütterung und Naturschutz
Die größte deutsche Herstellerin von Nisthilfen und Fütterungsgeräten, die Firma Schwegler aus Schorndorf, stellt in ihrem Verkaufskatalog fast geschäftsschädigend, aber umso ehrlicher fest: " Wildbiologisch ist die Winterfütterung nicht nötig, um einer Art zu helfen; der Winter ist ein Auswahlverfahren, bei dem der Stärkere überlebt und der Schwächere stirbt. So hart ist die Natur zu sich selbst." Die Firma empfiehlt ihre Geräte vielmehr ausdrücklich nur zu pädagogischen und therapeutischen Zwecken.
Gerade diese letzte Forderung hat es in sich: Jeder vermag verstandesmäßig einzusehen, dass es letztlich keinen Sinn hat, einen Teil unserer Vogelwelt dauerhaft an den "Tropf" der Winterfütterung zu hängen und dabei zuzusehen, wie der andere Teil und die natürlichen Lebensgrundlagen aller Vögel vernichtet werden.

Eine Alternative zur Winterfütterung ist ein naturnaher Garten, indem Früchte und Samen
von heimischen Gehölzen und Stauden über Winter als Nahrung dienen.

Winterfütterung ist isolierter Artenschutz, und Artenschutz allein ist noch kein Naturschutz, der sich auf die gesamten Lebensräume (Biotope bzw. Habitate) der Arten bezieht. Wirklich helfen kann eigentlich nur der Vogelfreund, der bereit ist, Freizeit und Geld zu opfern und im Naturschutz (und das kann auch heißen: politisch) aktiv zu werden. Erst so wird Winterfütterung sinnvoll.
Andererseits scheuen aber viele Vogel- und Naturfreunde gefühlsmäßig ein öffentliches Engagement. Die Winterfütterung ist ja deshalb so beliebt, weil sie im privaten Bereich stattfinden kann und weil man den schnellen Erfolg seiner Hilfe unmittelbar erlebt. Man füttert vielleicht "sein" ganz "persönliches" Rotkehlchen oder Amselpaar, an dessen Wohlergehen man persönlich Anteil nimmt; man wählt persönlich Futter und Fütterungsgerät aus und füttert ganz nach persönlichem Gutdünken, ohne damit eine öffentliche Verpflichtung einzugehen und ohne dass einem jemand hineinredet.
Biotopschutz ist vielen Bürgern leider zu abstrakt, zu mittelbar, zu langfristig. Hier ist ein Umdenken vonnöten, zu dem diese Zeilen vielleicht einen Beitrag leisten können. Aber auch im privaten Bereich kann der Natur- bzw. Biotopschutz beginnen, z. B. wenn sich Vogelfreunde dazu entschließen könnten, ihr Grundstück naturnah anzulegen. Es muss dann nicht gleich ein »Ökogarten« werden, aber einige naturnahe Bereiche helfen unseren gefiederten Freunden ganzjährig Brutplätze, Deckung und Nahrung zu finden. So könnte ein Stück Wiese statt dem Rasen oder einige heimische Laubgehölze statt den Thuja ein Großteil der Winterfütterung ersetzten.


350 Arbeitsstunden für die Natur in Steinheim

Die Forstgruppe der Neuen Arbeit gGmbH führte in den letzten Wochen Landschaftspflegearbeiten auf den Gemarkungen der Stadt Steinheim durch. Jeweils vier bis fünf Mann waren bei der bei der Entbuschung von Halbtrockenrasen oder bei der Pflege von überalterten Gehölzbeständen im Einsatz. Insgesamt hat der in Ludwigsburg angesiedelte Trupp rund 350 Arbeitstunden in Steinheim für den natur- und Artenschutz geleistet.
Das Stuttgarter Sozialunternehmen hat das Ziel, schwervermittelbaren Arbeitslosen und Empfängern von Sozialleistungen durch die angebotenen Arbeitsprojekte die Eingliederung in das Berufsleben zu erleichtern. Getragen wird die Einrichtung vom Diakonischen Werk Württemberg, von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart sowie von der Ambulanten Hilfe Stuttgart.
Unter Anleitung des Steinheimer Umweltbeauftragten Eric Hirsch und betreut von ihrem Pflegetruppleiter Alexander Betz, begannen die Männer ihre diesjährigen Arbeiten in einem Streuobstbestand im Murrtal. Dort haben große Sträucher in einer Böschung die alten Bäume bedrängt. Nachdem die Sträucher auf den Stock gesetzt wurden, erreicht das Sonnenlicht nun wieder die wertvollen Streuobstbäume.

Reine Handarbeit: Mitarbeiter der Neuen Arbeit bei der Gehölzpflege</em>.
In Kleinbottwar haben die Männer im Gewann Mühlwiesen an einer südexponierten Böschung Gehölze gerodet. Dadurch wird eine bessere Besonnung eines Halbtrockenrasens erreicht. Von der höheren Sonneneinstrahlung werden im nächsten Sommer insbesondere Käfer, Wildbienen und die spezialisierten Pflanzen dieses trockenen und warmen Standorts profitieren.
Eine weitere Aufgabe war, den Biotopbereich des Wehrbachsees von Gehölzen freizustellen. Im Laufe der Jahre waren Weiden, Erlen und Eschen so groß geworden, dass sie den Schilfgürtel am Uferrand immer mehr zurückgedrängt haben. Da das Schilf für laichende Amphibien eine hohe Bedeutung hat, wurde nun ein Teil der Gehölze entnommen.
An den oft schwer zugänglichen Standorten kann in der Regel nur von Hand gearbeitet werden. Diese zeit- und personalintensiven Arbeiten können die Gemeinden immer weniger mit eigenem Personal ausführen. Die Neue Arbeit bietet für dieses Problem eine Lösung an, indem sie eine Verbindung zwischen arbeitslosen aber arbeitswilligen Menschen und den arbeitsintensiven Naturschutzaufgaben der Gemeinden herstellt. In Steinheim ist daher der Einsatz für das nächste Jahr bereits fest eingeplant.


Ungepflegte Böschungen, Gräben und Steillagen – Schlamperei in Feld und Flur?

Hi-Neue Arbeit Dez 2010

Oft stechen sie schon von weitem ins Auge: Überständige Gras- und Krautbestände an Böschungen, in Gräben oder an Steilhängen. Insbesondere im Frühjahr hebt sich das braun gefärbte Dickicht vom frischen Grün der regelmäßig gemähten Wiesen ab. „Hier gehört mal wieder aufgeräumt“ mag man bei oberflächlicher Betrachtung denken. Doch die vermutete „Schlamperei“ hat durchaus positive Wirkungen auf den Naturhaushalt. Denn Altgrasbestände dienen zahlreichen Tieren als Lebensraum.

Hi-Grünlandstreifen 3

Die Stadt Steinheim bietet Landwirten mir einem Förderprogramm an,
Grünlandstreifen an Ackerrändern anzulegen. Rund 9 Hektar davon gibt es bereits.

Das dichte Altgras, vertrocknete Blütenstände und hohle Stängel werden von zahlreichen Insekten als Unterschlupf, Kinderstube oder Winterquartier genutzt. Käfer, Schmetterlinge, Spinnen und Heuschrecken legen Larven und Puppen in und an den Pflanzenteilen oder im Schutz des Dickichts ab.

Vielen Spinnen dienen Blätter, Halme und Stängel als Konstruktionshilfen für ihre Netze. Insbesondere die Gruppe der Radnetzspinnen befestigt die „Tragseile“ ihrer Kunstwerke gerne an höher aufragenden Pflanzenteilen.

In unserer Region ist ein auffälliges Beispiel die Wespen- oder Zebraspinne. Sie hängt ihr radförmiges Netz in das Dickicht von Altgrasbeständen. Die Spinne sitzt stets in der Mitte des Netzes, das durch ein weißes Zickzackband gekennzeichnet ist. Sie und ihr Netz sind ab Ende Juli in sonnigen Lagen anzutreffen.

Außer zum Bau des Netzes nutzt die Wespenspinne das Grasdickicht auch zum Bau ihres Eikokons. Dazu werden Halme und Blätter zu einem Gerüst verwoben, an dem im Anschluss der Kokon befestigt wird. Die darin abgelegten Eier, teilweise auch die bereits geschlüpften Jungspinnen, überwintern dort gut geschützt bis zum nächsten Frühjahr.

Hi-Spinne

Die Wespen- oder Zebraspinne benötigt überständige Halme
und Stängel zur Befestigung ihres Netzes.

Neben den Insekten nutzen auch Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien Altgrasbestände zur Nahrungssuche bzw. als Jagdrevier. Durch herabfallende Sämereien und Früchte und die zahlreich vorkommenden Insekten ist der Tisch reichlich gedeckt. Gleichzeitig bleiben diese Jäger in der Deckung der Gras- und Krautbestände vor ihren eigenen Fressfeinden geschützt.

Auch wenn ungemähte Flächen nicht dem schwäbischen Ordnungssinn entsprechen, durch das stehen lassen eines Altgrasstreifens helfen sie vielen Tieren über den Winter. Denn z. B. Feldhasen und die Vogelarten die bei uns überwintern, brauchen Altgrasstreifen während der kalten, kargen Jahreszeit als Nahrungs- und Schutzreservoir.
Wenn sie auf ihrer Wiese, Streuobstwiese oder auch im Hausgarten jährlich an einer anderen Stelle einen ein bis zwei Meter breiten Streifen bei der letzten Mahd stehen lassen, schaffen sie ein wertvolles, zusätzliches Biotop.
 


Trennsysteme vermindern die Hochwasserproblematik

Bauen bedeutet immer, dass bisher offene Flächen versiegelt werden. Je mehr Flächen bebaut werden, desto mehr offener Boden geht verloren, der Regenwasser aufnehmen, filtern, reinigen und dann dem Grundwasser zuführen kann.

Der Regen, der auf Straßen, Häuser, Stellplätze und Wege fällt, muss abgeleitet werden. Bis vor einigen Jahren geschah dies fast ausnahmslos über die Kanalisation. Das Regenwasser wurde dann gemeinsam mit dem häuslichen Abwasser über Kanäle zu den Kläranlagen geleitet und dort gereinigt. Nach dem Durchlaufen der Kläranlage wurde das gereinigte Wasser in einen so genannten Vorfluter, also einen Fluss oder Bach eingeleitet.

Hi-Retensionsbecken Schlossgarten
Hi-Raue Rampe Hallersches Wehr
Im vorigen Jahr wurde die Fischtreppe in der Bottwar beim Wasserrad zu einer Rauen Rampe umgebaut.​

Auch im Kleinbottwarer Baugebiet „Hinter dem Schlossgarten 2“ mündet das Trennsystem in einem Retensionsbecken.
Nach starkem Regen staut sich dort für kurze Zeit abgeleitetes Oberflächenwasser, bis es in den Wehrbach abgeleitet wird.

Da immer mehr gebaut wurde, ist auch immer mehr Oberflächenwasser angefallen. Die Kanäle sind regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen gestoßen und mussten für viel Geld vergrößert werden. Auch die Kläranlagen hatten zunehmend Kapazitätsprobleme, wenn nach starken Regengüssen extrem viel Wasser eingeleitet wurde.

Da Regenwasser an sich nicht verschmutzt ist, ist seine Reinigung auch nicht notwendig. Auch nicht, wenn es über Dächer, Wege oder Wohnstrassen abfließt. Deshalb ist es mittlerweile üblich, Regenwasser getrennt abzuleiten, um so Kanäle und Kläranlagen zu entlasten.
Am sinnvollsten und naturverträglichsten geschieht dies, wenn möglichst viele Flächen wasserdurchlässig gestaltet werden. Denn jeder Tropfen der in den Boden versickern kann, muss nicht mehr abgeleitet werden. Schotterrasen, Rasenpflaster oder auch wasserdurchlässige Asphaltbeläge sind eine Alternative zu völlig versiegelten Flächen. Zumal auch in Steinheim bald eine gesplittete Abwassergebühr eingeführt wird, bei der dann offenporige Flächen geringere Kosten verursachen.

Wo dies nicht geht, ist es eine Alternative das Regenwasser getrennt zu erfassen. Dazu haben neuere Wohngebiete in Steinheim als Kanalisation ein Trennsystem. Ein Kanalnetz, das dann deutlich kleiner dimensioniert sein kann, führt das häusliche Abwasser in die Kläranlage ab. Das Regenwasser von Dach- und Belagsflächen wird in einem extra Kanal gesammelt. Dies wird dann einem Bach zugeführt. Da Bäche bei starkem Regen schon sehr voll sind, könnten sie in dieser Zeit kaum zusätzliches Wasser aufnehmen. Deshalb münden die meisten Trennsysteme in einem Retensionsbecken. Dort wird das Oberflächenwasser zwischen gestaut und durch einen gedrosselten Ablauf langsam in einen Vorfluter abgeleitet. Sind diese Pufferbecken in offener Bauweise errichtet, kann ein Teil des Wassers auch durch den Boden versickern. Als Nebeneffekt dienen diese Becken dann oft als Lebensräume für feuchtigkeitsliebende Pflanzen und Tiere.

Auch der See in der Gartenstadt Arkadien ist ein Retensionsbecken. Über einen
Graben wird das eingeleitete Regenwasser dem nahe liegenden Riedbach zugeführt.

Hi-Arkadiensee nach Pflege

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie und ihre Umsetzung in Steinheim

"Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss ...
... es ist erforderlich, eine integrierte Wasserpolitik in der Gemeinschaft zu entwickeln
."
(Auszug aus den Erwägungsgründen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie)

Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft ist am 22.12.2000 in Kraft getreten. Damit fiel der Startschuss für eine integrierte Gewässerschutzpolitik in Europa, die auch über Staats- und Ländergrenzen hinweg eine koordinierte Bewirtschaftung der Gewässer bewirken soll. Der besondere Reiz dieser Richtlinie liegt in der konsequenten Umsetzung einer ganzheitlichen Betrachtung der Gewässer, vor allem aus ökologischer Sicht.

Dort ist die Bottwar nun wieder durchwanderbar.

Insgesamt wurden 7 EG-Richtlinien, die auf einen eher nutzungsspezifischen Gewässerschutz abzielen, nach Übergangsfristen (7 bzw. 13 Jahre) aufgehoben. Durch die neue Richtlinie werden Impulse für einen stärker ökologisch ausgerichteten ganzheitlichen Gewässerschutz erwartet. Die Gewässer sollen innerhalb einer vorgegebnen Frist in einen „guten Zustand“ gebracht werden.

<strong>Ziele der Wasserrahmenrichtlinie
</strong>Die Richtlinie schafft einen Ordnungsrahmen für den Schutz der Binnenoberflächengewässer, der Übergangsgewässer, der Küstengewässer und des Grundwassers. Die übergeordneten Ziele sind in Artikel 1 festgelegt u. a.:

o Schutz und Verbesserung des Zustandes aquatischer Ökosysteme und des Grundwassers einschließlich von Landökosystemen, die direkt vom Wasser abhängen
o Förderung einer nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen
o Reduzierung der Verschmutzung des Grundwassers
o Minderung der Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren

Nachdem die Wasserrahmenrichtlinie über das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes in nationales Recht umgesetzt wurde, besteht für alle Institutionen, die für ein Gewässer unterhaltungspflichtig sind, die Maßgaben und Ziele für ihre Gewässer umzusetzen.

Um den angestrebten guten Zustand zu erreichen sind insbesondere

o die in den Gewässern vorhandenen Wanderungshindernisse zu entfernen oder durchgängig zu gestalten.
o Reglungen zu treffen, dass im Mutterbett von Gewässern eine Mindestwassermenge verbleibt.
o Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur durchzuführen.

<strong>Umsetzung in Steinheim</strong>
Über das Landratsamt als untere Wasserbehörde hat das Regierungspräsidium Stuttgart einen aktuellen Sachstand über die Umsetzung der Wasserrahmenlichtlinie an die Städte und Gemeinden gesandt.

Nachdem bereits im vergangnen Jahr die Fischtreppe in der Bottwar am Haller’schen Wehr durch eine Raue Rampe ersetzt wurde, gab es nur noch zwei Maßnahmen, die in der Zuständigkeit der Stadt Steinheim umgesetzt werden mussten.


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Hi-Rampe in Bottwar bei Alten Mühle

Dabei handelte es sich einmal um die Fischtreppe in der Bottwar an der Alten Mühle zwischen Steinheim und Kleinbottwar. Das gut 20 Jahre alte Bauwerk entsprach nicht den aktuellen Anforderungen an die Durchgängigkeit in Gewässern. Fische konnten den Aufstieg noch passieren. Für wasserbewohnende Kleintiere waren die Abstürze der Rampe zu hoch. Sie konnten nicht bachaufwärts wandern. Diese Biotopsperre verhinderte den Artenaustausch im Gewässer.
Deshalb wurde die Fischtreppe in Absprache mit den Wasserrechtsbehörden des Landratsamts Ludwigsburg und mit Unterstützung durch Mitglieder des Fischerei- und Gewässerschutzvereins Steinheim im mittlerweile umgebaut. Ein Betonwehr wurde entfernt und die Abstürze innerhalb der Fischtreppe durch den Einbau von Wasserbausteinen ausgeglichen. Bei einem Ortstermin mit Vertretern des Landratsamts wurde die Maßnahme mittlerweile begutachtet und als gelungen bewertet.

Als letztes Wanderhindernis für wasserbewohnende Tiere auf Steinheimer Markung bleibt die Einmündung des Otterbachs in die Murr. Der Einmündungsbereich soll als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau der L 1115 durch das Land Baden-Württemberg komplett neu gestaltet werden. Vorplanungen dazu gibt es bereits. Mit einer Umsetzung ist innerhalb der kommenden Jahre zu rechnen. Dann sind die Vorgaben der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in Steinheim vollständig umgesetzt.


Prachtnelken am Kälblingwald

Vor einigen Jahren lies die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege die Steppenheidesäume im östlichen Bereich des Landkreises Ludwigsburg untersuchen. Insbesondere die Zeugenberge im Bottwartal hatten sich dabei als wertvolle Biotopflächen erwiesen.
Auf Markung Steinheim fanden sich noch am Kälbling in Höpfigheim und am Benning in Kleinbottwar Reste ehemaliger Steppenheiden.

Hi-Steppenheidensaum Kälbling
Eine kleine unscheinbare Böschung am Waldrand des Kälbling ……

Steppenheiden werden als Primärstandorte charakterisiert. D. h. sie unterliegen keinen oder nur geringen Kultureinflüssen und stellen so die natürliche Vegetation ihres Standortes dar. Es handelt sich dabei um eine Pflanzengemeinschaft von locker stehenden Stauden, Gräsern, Büschen und einzelnen Bäumen auf sonnigen Standorten.
Steppenheidensäume sind bedeutende Lebensräume in unserer Landschaft. Wegen ihrer großen Strukturvielfalt aus Böschungen, Brachflächen, verschiedene Wuchsdichten und Bereichen mit offenem Boden weisen sie eine hohe Artenvielfalt auf. Insbesondere viele wärme- und lichtliebende Arten finden hier noch ein Rückzugsgebiet.

An den Böschungen des Benning zwischen Weinbergweg und Wald fanden sich noch Prachtnelke, Raue Nelke, Deutscher Ginster und Hirschwurz. Alles Arten, die sich mittlerweile auf der Roten Liste Baden-Württembergs der vom Aussterben bedrohten Pflanzen befinden. Mit insgesamt 85 nachgewiesenen Pflanzenarten, davon 10 Arten der Roten Listen, ist der Steppenheidenstandort Benning sehr artenreich. 

Hi-Prachtnelke Kälbling 2
… bietet der seltenen Prachtnelke einen Lebensraum

Auch am Saum des Kälbling in Höpfigheim fand sich an einer lichten Stelle noch genau eine der seltenen und unter Artenschutz stehenden Prachtnelken (Dianthus superbus). Vor einigen Jahren wurde deshalb dieser Bereich von Gehölzen freigestellt und wird seitdem im Rahmen des städtischen Landschaftspflegeprogramms einmal jährlich gemäht. Der Erfolg dieser Naturschutzmaßnahme lässt sich zurzeit in Blüte sehen.
Aus der einen sind mindestens acht Exemplare der Nelke geworden. Ein schönes Beispiel für gelungenen Artenschutz. 


Halbtrockenrasen - Lebensräume für eine wärmehungrige Tierwelt

Der Weinbau verrät es schon von weitem, die Steinheimer Hanglagen sind wärmebegünstigt. Diese Gunst ist jedoch nicht nur den Reben und der damit verbundenen Weinkultur zuträglich, sondern auch einigen speziellen Lebensgemeinschaften. An den Hangschultern von Benning, Kälbling, Wacholderberg und Burgberg, dort wo das Kleinklima bereits als heiß zu bezeichnen ist, sind Halbtrockenrasen und wärmeliebende Staudensäume mit ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt anzutreffen. Der Duft der Kräuter, das Zirpen der Grillen und die Rebkulturen erinnern an mediterrane Gefilde.

Hi-Feldgrille
Die Feldgrille ist aus einigen Gebieten Baden-Württembergs verschwunden. Sie wird deshalb in der „Vorwarnliste“ (Teil der Roten Liste) geführt. Foto: U. Grunicke​

Die dort vorkommenden Tierarten sind an eine volle Besonnung und die damit verbundenen trocken-heißen Bedingungen angepasst. Die Gruppe der Reptilien ist sogar auf die Wärme angewiesen. So laufen beispielsweise Zauneidechse und Schlingnatter erst dann zur Hochform auf, wenn sie genügend Wärme getankt haben. Bleibt es dagegen kalt, sind sie zur Ruhe gezwungen. Als Wärmeplatz dienen den Reptilien insbesondere Trockenmauern, Steinhaufen, oder vegetationsfreie Bodenflächen, die oftmals in Verbindung mit Halbtrockenrasen und Staudensäumen vorkommen. Dort können die Echsen direkt in der Sonne baden oder in den Abendstunden die abgestrahlte Wärme aufnehmen
Trockenmauern und Steinhaufen sollten daher auf jeden Fall erhalten werden. Genauso wichtig ist es jedoch, beschattende Gehölze und hohe Gräser von ihnen fern zu halten. Eine beschattete Trockenmauer dient den Reptilien nicht mehr als Wärmeplatz, denn die entscheidenden Faktoren - die Sonne und die damit verbundene Wärme - fehlen.

Neben den Reptilien benötigen auch viele Insektenarten wie zum Beispiel die Feldgrille Halbtrockenrasen und Staudensäume als Lebensraum. Sie bevorzugt gehölzfreie Flächen mit lockerem Bewuchs, wo sie sich eine Wohnröhre mit „vorgelagerter Terrasse“ gräbt. Das Feldgrillen-Männchen zirpt dort in den höchsten Tönen, um die Damen von seinen Qualitäten zu überzeugen.

Hi-Große Turmschnecke
Die Große Turmschnecke kann als Charakterart der Halbtrockenrasen und Staudensäume gelten. Auch sie war früher häufiger anzutreffen. Foto: U. Grunicke​

Eine weitere Artengruppe, die der Schnecken, erscheint in den trocken-heißen Halbtrockenrasen und Staudensäumen zunächst fehl am Platz. Kennt man sie doch aus kühl-feuchten Wäldern oder aus gut gewässerten Gemüsegärten. Doch diese Annahme ist falsch. Untersuchungen haben gezeigt, dass in den warmen Lebensräumen bis zu 30 spezielle Schneckenarten vorkommen können. Ein auch in Steinheim anzutreffendes Beispiel ist die Große Turmschnecke. Wird ihr die Hitze am Boden zu groß, dann steigt sie an Pflanzenstängeln empor und verweilt dort oben mit „Luftkühlung“ bis die Temperaturen wieder erträglich sind.

Alle beschriebenen Tierarten haben gemeinsam, dass sie zum Überleben besonnte Halbtrockenrasen und Staudensäume mit trocken-heißen Bedingungen brauchen. Diese sind in Steinheim mittlerweile auch selten geworden. Die wenigen verbliebenen fallen oft einer mangelnden Nutzung bzw. Pflege zum Opfer. So sind sie dann innerhalb weniger Jahre komplett mit Gehölzen zugewachsen.

Die Stadt Steinheim engagiert sich deshalb seit vielen Jahren für den Erhalt dieser Lebensgemeinschaften. Pflegetrupps der Bewährungshilfe Stuttgart e.V. und der Neuen Arbeit gGmbH sowie Landschaftspflegefirmen und der der städtische Bauhof werden immer wieder zu Pflegeaktionen in diesem Sinne eingesetzt.

Nur durch regelmäßige Pflege können wertvolle Halbtrockenrasen erhalten werden.
Die ist, wie an einer Fläche in den Mühlwiesen zwischen Steinheim und Kleinbottwar, nicht immer einfach.

Hi-Mahd ND Mühlwiesen

Trockenmauern sind wertvolle Lebensräume

Trockenmauern bestimmten früher das Bild unserer Dörfer und der Landschaft. Innerorts als Abgrenzung von Grundstücken oder als Ausgleich von Höhenunterschieden im Gelände. Außerhalb der Siedlungen wurden sie hauptsächlich zur Terrassierung von Weinbergen an sonnenbeschienenen Hängen errichtet.
Im Gegensatz zu Betonmauern oder Zäunen bieten Trockenmauern vielen Pflanzen und Tieren günstige Lebensbedingungen. Sie sind innerorts und in der Landschaft kleine Wärmeinseln und damit wertvolle Lebensräume für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten.

Hi-Burgberg Nov. 09
Am Burgberg in Steinheim gibt es noch großflächig Trockenmauern.​ Ihr Erhalt als Lebensraum und landschaftsprägendes Element ist eine wichtige Aufgabe.

Eidechsen und Amphibien nehmen auf den Steinen gerne ein Sonnenbad. Laufkäfer, Spitzmäuse, Mauswiesel und viele andere Tiere nutzen Höhlungen und Zwischenräume als Unterschlupf und Kinderstube. Typische Mauerpflanzen sind z.B. der gelbe Mauerpfeffer und die Hauswurzarten (Zimbelkraut, Steinbrech). Sie finden ihren Lebensraum aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit selbst in den kleinsten Ritzen.
Trockenmauern fielen oft Flurbereinigungsverfahren und Straßenbaumaßnahmen zum Opfer. Deshalb stehen sie heute im Außenbereich unter Naturschutz. In Steinheim gibt es vor allem an den ehemaligen Weinberglagen am Burgberg / Steinberg noch großflächig Trockenmauern. Die Stadt Steinheim bemüht sich seit vielen Jahren, diese Flächen zu erhalten.

Aber auch in Hausgärten können Trockenmauern eine gestalterische und ökologische Alternative zu Beton sein. Daran sollten sie bei einer geplanten Neuanlage ihres Gartens denken.

Hi-Fetthenne
Eine Mauer, die Tiere und Pflanzen beherbergt und blühen kann.​ Das schafft nur die Trockenmauer.​

Feuchtwiesen in Höpfigheim

Früher gab es sie häufig und überall: Feuchtwiesen mit ihren charakteristischen Pflanzengesellschaften. Viele Gewannnamen erinnern heute noch an diese Zeit: Seewiesen, Riedern oder Riedwiesen finden sich auch in Steinheim. 

Hi-Biotop Untere Seewiesen 3
Feuchtwiesen im Höpfigheimer Gewann Untere Seewiesen:​ Schilf, Seggen und Hochstaudenfluren haben eine neue Heimat gefunden.​

Feuchtwiesen sind von Gräsern, Binsen, Seggen und anderen krautigen Pflanzen gekennzeichnete, gehölzfreie halbnatürliche Biotope, deren Böden in oberen Horizonten vom Grundwasser beeinflusst oder zeitweise überschwemmt sind. Sie liegen im Bereich von Flüssen oder Bächen oder in Senken. In Deutschland zählen Feuchtwiesen zu den artenreichsten Biotopen. Sie sind Kulturbiotope, da sie durch die Bewirtschaftung im Rahmen der der landwirtschaftlichen Produktion von Streu und Futter für die Nutzviehhaltung entstanden sind.
Auf den feuchten Standorten wurden die Wiesen nur ein- bis zweimal jährlich im Spätsommer gemäht. Dadurch konnten sich feuchtigkeitsliebende Pflanzen einen besonderen Lebensraum sichern. Schilf, Seggen, Sauergräser und viele Blütenpflanzen wie die Sumpfdotterblume, der Blutweiderich, Wasserdost oder das Mädesüß dominieren diese Standorte. Zu den Pflanzen gesellen sich in Feuchtwiesen viele spezialisierten Tierarten. Graureiher, Braunkehlchen oder Wiesenpieper finden sich genauso wie Frösche, Kröten und Molche. Grashüpfer, Heuschrecken und Tagfalter runden die Artenfülle ab.

Viele dieser Arten finden sich mittlerweile auf den Roten Listen. Denn Feuchtwiesen sind selten geworden. Im Zuger der landwirtschaftlichen Intensivierung wurden die Flächen mit Dränageleitungen entwässert und in Ackerflächen oder Mahdwiesen umgewandelt. Die wenigen verbliebenen Bereiche stehen heute alle unter Naturschutz. Nur selten gelingt es, Feuchtwiesen wieder herzustellen. Die Stadt Steinheim konnte vor rund 10 Jahren im Höpfigheimer Gewann Untere Seewiesen, direkt am Beutemühlenbach, zwei Grundstücke mit gut einem Hektar Fläche erweben. Auf einer Fläche waren sogar gefasste Quellaustritte vorhanden.

Der Beutenmühlenbach wurde in diesem Bereich renaturiert. Dabei konnten auch die Dränageleitungen gekappt und die Quellaustritte wieder frei gelegt werden. Die Grundlagen für die Rückwandlung in eine Feuchtwiese waren damit vorhanden.

Hi-Mädesüssblüte
Das Mädesüß (Filipendula ulmaria) in der Blüte.​

Ein Pflegevertrag mit einem Landwirt sichert seitdem die extensive Bewirtschaftung der Flächen. Einmal jährlich im Spätsommer, wenn die Wiesen relativ trocken sind wird gemäht und das Mähgut abgeräumt. Schilf- und Seggenfragmente wurden belassen. Mittlerweile haben sich aus den Fragmenten wieder stabile Bestände entwickelt. Dazu haben sich die typischen Hochstaudenfluren wie das Mädesüß eingefunden. Sobald die Rahmenbedingungen wieder vorhanden waren, folgten die Tiere. Amphibien und Insekten finden sich mittlerweile wieder in Hülle und Fülle. Kein Wunder, dass sich Vögel diesen gedeckten Tisch nicht entgehen lassen.

Es hat sich im Laufe der Zeit wieder ein naturnahes, vielseitiges Kulturbiotop entwickelt. Da Feuchtwiesen auch ein natürlicher Wasserpuffer sind, reduzieren sie durch ihr Speichervermögen die Hochwassergefahr. Ein schönes Beispiel für erfolgreichen kommunalen Naturschutz.


Invasion aus Nordamerika

Die Goldrute ein Problem für den Naturschutz

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Bei der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) trifft dies sicherlich zu. Obwohl die Pflanze von Mitte Juli an dekorativ gelb blüht, wird sie für den Naturschutz zunehmend zu einem Problem.

Hi-Goldrute im Brachland
Auf Brachflächen findet sich die Goldrute genauso…….​

Denn diese Pflanze dürfte bei uns eigentlich gar nicht vorkommen. Sie stammt aus Nordamerika und kommt dort auf Prärien und Weiden vor. In Nordamerika wird die Goldrute durch Fressfeinde und strenge Winter reguliert. Solche Pflanzenarten, die aus anderen Naturräumen im Zuge des weltweiten Warenverkehrs eingeschleppt wurden und bei uns Fuß fassen nennt man wissenschaftlich <strong>Neophyten</strong> (griechisch: neos = neu; phyton = Pflanze).
Nach Europa wurde die Pflanze vermutlich 1648 eingeführt. Dreihundert Jahre war sie kaum ein Problem. Mit Zunahme von Brachflächen zwischen 1950 und 1960 nahm die Pflanze jedoch explosionsartig zu.

Hi-Goldrute in Garten
…… wie in Hausgärten. Probleme bereitet sie durch ihre ​Massenvermehrung in Naturschutzflächen. Dort werden heimische Arten verdrängt.

Denn die Goldrute ist im Vergleich zu unserer heimischen Vegetation extrem konkurrenzfähig. Pro Stängel werden bis zu <strong>19.000 flugfähige Samen</strong> produziert. So kann sich die Goldrute über große Entfernungen ausbreiten. Daneben kann sie sich auch vegetativ vermehren. Aus ihren unterirdischen <strong>Wurzelsprossen</strong> treiben immer wieder neue Pflanzen aus. Wo heute ein Exemplar steht, entwickelt sich schnell ein dichter Bestand.

Die Goldrute kann auf fast allen Flächen vorkommen. Egal ob feucht, trocken, nährstoffreich oder mager.
Diese Eigenschaft, in Verbindung zu fehlenden Fressfeinden, milden Wintern in Europa und der Fähigkeit zur Massenvermehrung, machen die Goldrute zu einem Problem für den Artenschutz.
Gerade auf ökologisch wertvollen, nährstoffarmen Magerrasenflächen verdrängt die Goldrute geschützte heimische Arten. Es wird immer aufwendiger diese Naturschutzflächen zu bewahren.

Hi-Goldrute Detail
Die Goldrute ist leicht zu erkennen: Bis 1,5 m Höhe, durchgehender Stängel, kreuzständige längliche schmale Blätter, 30 cm lange gelbe Blütenrispe.

Um der Ausbreitung der Goldrute entgegenzuwirken, sollte die Pflanze bereits bei Einzelvorkommen entfernt werden. Am wirkungsvollsten ist das herausziehen mit den Wurzeln kurz vor der Blüte. Größere Bestände können auch abgemäht werden. Dies muss aber regelmäßig 2-3-mal jährlich geschehen. Hilfreich wäre auch, wenn <strong>Gartenbesitzer auf die Goldrute verzichten</strong> könnten. Vor allem an den Ortsrändern können bereits einzelne Pflanzen zu einer Ausbreitung in den Außenbereich führen.

Die Stadt Steinheim bemüht sich mit Hilfe von Sozialunternehmen, ehrenamtlichen Helfern und eigenem Personal wertvolle Biotopflächen von der Goldrute und anderen Neophyten frei zu halten. Dies wird immer schwiriger, je mehr die Neophyten im Außenbereich zunehmen.


Steinkäuze bei uns wieder auf dem Vormarsch

Der Steinkauz ist eine der kleinsten Eule in Baden-Württemberg. Mit seinem Gewicht von ca. 190g erreicht er ungefähr die Größe einer Amsel. Sein Gefieder ist oberseits dunkelbraun mit vielen hellen Flecken. Im Gegensatz zu den meisten Eulen ist der Steinkauz oft auch tagaktiv. Sein Lebensraum sind offene, mit Baumreihen und Feldgehölzen durchsetzte Kulturlandschaften, die mit einem ausreichenden Angebot an geräumigen Bruthöhlen und Tageseinständen ausgestattet sind. Ein idealer Lebensraum sind somit extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen. Die meisten der nur noch wenigen Brutpaare in Baden - Württemberg findet man in der Region Stuttgart /Ludwigsburg.

Hi-Brutröhre
Wo natürliche Höhlen fehlen, sorgen Brutröhren für Ersatz

Hauptnahrung sind Bodentiere der offenen Landschaft, vor allem Kleinsäuger bis zur Maulwurfsgröße, aber auch Insekten und Regenwürmer, die während der warmen Jahreszeit ca. 75% der Beutetiere ausmachen.
Die ständige Verringerung des Brutplatzangebotes durch Ausbau und Aufräumungsarbeiten in landwirtschaftlichen Gebäuden sowie das Fehlen geeigneter natürlicher Nistgelegenheiten (Kopfweiden, alte Obstbäume) sind wesentliche Gründe für den starken Rückgang des Steinkauzes. Auch strukturelle Änderungen in den landwirtschaftlichen Betrieben, die dazu führten, dass viele Grünlandflächen in Ackerland umgewandelt wurden, wirken sich aus. Der Insektizid- und Pestizideinsatz erhöhte sich und trug ebenfalls zum Rückgang bei.

Zum Schutz des Steinkauzes tragen bei:

• Erhaltung von Streuobstwiesen mit hochstämmigen Obstbäumen
• Neupflanzung und Pflege von Obstbaumwiesen als natürliche Nistplätze
• Anbringen von künstlichen Brutröhren als Ersatz für natürliche Baumhöhlen
• Erhaltung von Wegrändern und Feldrainen als Rückzugsgebiet für Kleinsäuger und Insekten
• Einschränkung des Biozideinsatzes in der Landwirtschaft
• Kauf und Verwendung von Produkten aus Streuobst (Obst, Saft)

Die Grundvoraussetzungen für effektive Schutzmaßnahmen sind großflächige Bestandserfassungen. Daher werden im Landkreis Ludwigsburg die bestehenden Steinkauzvorkommen durch ehrenamtliche Naturschützer kartiert. Über die Brutplätze und Nisthilfen führen die jeweiligen Projektgruppen Arbeitsmappen. Eine Kartierung erfolgt mit Hilfe von topographischen Karten und Flurkarten, um die Standorte der Nisthilfen sowie die Naturhöhlen festzuhalten.

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Artenschutz als Erfolgsgeschichte: Junge Steinkäuze auf einer Steinheimer Streuobstwiese.​

Anhand dieser Unterlagen können dann gezielte Maßnahmen getroffen werden, z.B. die Schaffung von Trittsteinbiotopen, um Inselpopulationen entgegenzuwirken (Biotopverbund). Die nicht besiedelten Bereiche werden mit Brutröhren erschlossen und Brutbäume mit Naturhöhlen durch Patenschaften geschützt.

Die erhobenen Daten (Vorkommen, Bestandesentwicklung) geben Hinweise für notwendige Schutzmaßnahmen auf dem jeweiligen Gemeindegebiet. Um detaillierte und verlässliche Ergebnisse zu erhalten, ist eine planmäßige Beringung und anschließende Beobachtung der markierten Steinkäuze notwendig. In Steinheim ist seit vielen Jahren Herbert Keil von der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V." (FOGE) aktiv. Er wird sowohl von der Stadt Steinheim als auch von der Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen Steinheim unterstützt.
<strong>So konnten in den vergangen Jahren in Steinheimer Streuobstwiesen mehrere Obstbäume mit natürlichen Bruthöhlen registriert und durch Information der Eigentümer gesichert werden. Wo natürliche Bruthöhlen fehlten, wurde Ersatz mit Brutröhren geschaffen. Dieser Einsatz hat sich gelohnt. Im Jahr 1988 gab es im ganzen Landkreis Ludwigsburg nur 8 nachgewiesene Brutpaare des Steinkauzes. Im Jahr 2009 konnten über 120 Brutpaare nachgewiesen werden. Acht davon alleine in Steinheim, soviel wie noch vor 20 Jahren im ganzen Landkreis</strong>.


Kopfweidenpflege

Kopfweiden sind nur durch Pflege zu erhalten

In früheren Zeiten waren Kopfweiden als Lieferanten für Brennholz für das tägliche Leben von großer Bedeutung. Heute droht ihnen durch mangelnde Nutzung der Zerfall. Das ist nicht nur aus kulturhistorischer, sondern auch aus naturschützerischer Sicht bedauerlich, denn die geköpften Weiden bieten zahlreichen Tierarten einen sonst seltenen Lebensraum.

Kopfweiden sind eine spezielle Nutzungsform bestimmter Weidenarten (Silber-Weide, Bruch-Weide und deren Kreuzungen) die durch das „Köpfen“ der Bäume in ca. 2 m Höhe, sowie durch einen wiederholten Schnitt der Austriebe in 3- bis 10-jährigen Abständen entstehen. An der Schnittstelle bildet sich durch das ständige Neuaustreiben und durch die Überwachsungen allmählich eine kopfartige Verdickung. Vergleichbar sind die in Steinheim noch häufig anzutreffenden kleineren Bindeweiden, deren Ruten im Weinbau verwendet werden.

In der Vergangenheit wurden die Ruten und Austriebe der Kopfweiden vielseitig genutzt. Aufgrund des Holzmangels waren die armdicken mehrjährigen Austriebe ein gefragter Brennstoff. Der geringe Brennwert wurde durch entsprechende Mengen ausgeglichen. Das stärkere Material wurde außerdem zur Herstellung von Holzschuhen genutzt. Schwächere Weidenstangen wurden zu Baumstützen, Werkzeugstielen oder zu Flechtzäunen verarbeitet. Aus den dünnen Ruten wurden Körbe für unterschiedliche Zwecke geflochten oder Bindematerial gewonnen.

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Eine Kopfweide mit Neuaustrieben, wenige Monate nach der winterlichen Pflege

Durch diese Form der Nutzung entstanden jahrhundertelang wertvolle Biotope. Die Stämme von älteren Kopfweiden werden allmählich durch Fäulnisprozesse zersetzt, so dass im Inneren Hohlräume entstehen. Die Hohlräume, das unterschiedlich stark zersetzte Stammholz, das Laub, die Rinde und die Weidenkätzchen werden von Vögeln, Fledermäusen, Käfern, Wildbienen, kleinen Säugetieren (Siebenschläfer, Marder, Iltis), Moosen und Flechten als Lebensraum bzw. Nahrung genutzt. So wurden an Kopfweiden im Stuttgarter Raum ca. 200 Käferarten, darunter zahlreiche Arten der Roten Liste, nachgewiesen. Ein Beispiel ist der an seinen angenehmen Geruch erkennbare Moschusbock.
Kopfweiden sind daher insbesondere für totholzbewohnende Insekten ein wertvolles Kleinbiotop. Ähnliche, in Menge und Variabilität vergleichbare Totholzbestände sind in unserer heutigen Kulturlandschaft selten anzutreffen.

Viele Produkte aus Kopfweidenruten wurden mittlerweile durch Plastik, Kohle, Gas und Öl verdrängt. Deshalb werden Kopfweiden nicht mehr genutzt. Die Folge ist ein Durchwachsen der Triebe und ein Ausbrechen der zu schweren Äste. Damit ist wiederum ein Aufspalten oder zumindest eine Verletzung des Stammes verbunden, was letztendlich zum völligen Zusammenbruch des Baumes führt.
Um die vorhandenen Kopfweiden langfristig zu erhalten, müssen sie in Abhängigkeit von Standort und Alter, alle 3 bis 10 Jahre genutzt bzw. gepflegt werden.

Die Stadt Steinheim pflegt seit vielen Jahren Kopfweiden an Bachläufen, Wassergräben und in Biotopflächen. Im vergangen Winter lag der Schwerpunkt an der Bottwar und am Beutenmühlebach. Allerdings wird es für den Bauhof aufgrund der angespannten Personalsituation immer schwieriger diese handwerklich anspruchsvollen Arbeiten durchzuführen. Deshalb müssen die Arbeiten teilweise vergeben werden. Trotz der angespannten Haushaltssituation sollte es so möglich sein, diese wertvollen Kulturbiotope zu erhalten.


Gespinstmotten

Gespinstmotten haben Hochsaison

Wer zurzeit entlang von Bächen und Flüssen spazieren geht, dem fallen sie auf, die in dichte, weiße Netze eingesponnenen Bäume und Sträucher. Verantwortlich für das gespenstische Szenario sind die Raupen der Gespinstmotten. Die Raupen sind nicht gefährlich, d.h., sie ist nicht giftig und scheidet keine gefährlichen Sekrete ab. Sie tragen auch keine Brennhaare. Die Gespinstmotten gehen auch nicht an Textilien oder Haushaltvorräte. Einige Arten, wie die Pfaffenhütchen-, Traubenkirschen- und Weiden-Gespinstmotte haben sich in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Da es diese Gehölze viel an Wasserläufen gibt, ist der Befall dort besonderst groß. Befallen werden können aber auch Obstgehölze wie Apfel, Kirschen und Pflaumen.

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An Bach- und Flussufern sind zurzeit viele Bäume und Sträucher von der Gespinstmotte befallen.​

Trotz starker Fraßschäden ist eine Bekämpfung in der Regel nicht notwendig, so die Information von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig. Die betroffenen Gehölze erholen sich meist und treiben nach Ende des Befalls mit dem sog. Johannistrieb wieder aus. Bei Obstbäumen kann aber nach einem starken Befall die Ernte komplett ausfallen.

Um hier die Schäden gering zu halten, sollten besiedelte Gespinste in einem möglichst frühen Stadium entfernt werden. Es wird empfohlen, befallene Triebe abzuschneiden und in der Biotonne zu entsorgen, oder mit einem Wasserstrahl abzuspritzen. Spätestens Ende Juni, wenn sich die meisten Mottenlarven verpuppt haben, ist der Spuk für dieses Jahr vorbei.

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Zu Tausenden bevölkern die Raupen ihre Wirtsgehölze in dichten Gespinsten.​

Die Gespinstmotten stellen eine eigenständige Familie der Schmetterlinge dar. In Mitteleuropa kommen etwa 90 Arten vor. Die unscheinbaren Falter haben eine Flügelspannweite von ca. 20 mm. Die weißen Vorderflügel sind mit vielen kleinen schwarzen Punkten versehen. Sie erscheinen im Hochsommer und legen ihre Eier in Gelegen zu 40 bis 80 Stück an den Zweigen ihrer Wirtspflanzen ab. Nach 3-4 Wochen schlüpfen die Eiraupen. Sie verharren bis zum Frühjahr unter einem Schutzschild. Mit dem Austrieb verlassen sie ihre Verstecke und beginnen mit dem Fraß. Anfangs fressen die kleinen Raupen an bzw. in den Knospen und jungen Blättern. Erst mit zunehmendem Alter beginnen sie mit dem Kahlfraß unter den charakteristischen Gespinsten. Ende Juni ist die Entwicklung der meist graugelben bis 2 cm groß werdenden Larven mit der Verpuppung abgeschlossen und der Kreislauf beginnt erneut. Natürliche Feinde sind vor allem Vögel, Schlupfwespen sowie diverse Krankheitserreger.
Gespinstmotten gibt es immer. Aber nach trockenen Sommern kann es in den Folgejahren zu einem Massenauftreten der Mottenlarven kommen. Erfahrungsgemäß brechen die Populationen dann nach 2-3 Jahren wieder auf ein unauffälliges Normalmaß zusammen.


Weidenruten statt Steine zur Ufersicherung

Bauhof und Forst arbeiten Hand in Hand an der Bottwar

Am Bottwarufer entlang der Industriestrasse wurden im vergangenen Winter die Ufergehölze bei einem gemeinsamen Einsatz des Bauhofs der Stadt und den Waldarbeitern der Forstbetriebsgemeinschaft Hartwald gepflegt. Dabei wurde festgestellt, dass das Ufer an einem ca. 50 Meter breiten Bereich bis zur Industriestaraße hin unterspült war. Das stark strömende Wasser hatte Wurzeln freigelegt und im Laufe der Jahre immer mehr Erdreich mitgenommen, so dass sich eine 1,5 Meter tiefe Aushöhlung gebildet hatte.

Das Ufer war somit nicht mehr sicher. Es war zu befürchten, dass der Uferbereich beim nächsten Hochwasser vollständig zusammenbricht. Da die Stadt für den Unterhalt der Bottwar zuständig ist, bestand Handlungsbedarf. Zumal die Industriestrasse auch von schweren Fahrzeugen genutzt wird, die das anschließende Gewerbegebiet anfahren.
Ein Ufer kann auf zwei Arten befestigt werden. Entweder mit großen Steinfindlingen oder durch biologische Bauweisen. Dabei wird eine Sicherung aus austriebsfähigen frischen Weidenruten hergestellt. Die Alternative aus Steinfindlingen wäre aufwendiger und deutlich teuerer gewesen. Zudem hätte die Uferböschung vollständig von allen Gehölzen gerodet werden müssen. Daher hat man sich in Steinheim für die biologische Variante entschieden. Zumal die Mitarbeiter der Forstbetriebsgemeinschaft wieder ihre Unterstützung anboten.

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Eichenpfähle werden als Gerüst vor dem Uferabbruch in die Bottwar gerammt

Im Laufe des Winters wurden Weidenruten von Pflegemaßnahmen gesammelt und eingelagert. Nachdem die Bottwar letzte Woche Niedrigwasser führte, konnten die Arbeiten unter der Leitung von Eric Hirsch, dem Steinheimer Ökologen und Bauhofleiter Mike Stickel ausgeführt werden.

Zuerst wurden Eichepfähle mit einem Bagger vor die Böschung in die Bachsohle gedrückt. Dahinter wurden als erst Lage im Wasser die benadelten Gipfel von Fichten eingebracht. Die feinen Nadeln sollen Erde die die Bottwar mitführt ausfiltern und so eine stabile Sohle bilden. Auf die Fichten wurden große Rollen aus zusammengebundenen Weiden gelegt. Die Weidenpacken wurden mit einem Gemisch aus Steinen und Erde hinterfüllt.
Ähnlich wie in einem Weinberg wurden so drei Stufen mit den Weidenrollen angelegt, bis die Böschung wieder komplett aufgebaut war. Abschließend wurden die Weidenpakete noch mit zusätzlichen Steckhölzern befestigt.
Überall dort, wo die Weidenruten mit Erde in Berührung kommen, werden sie die nächsten Wochen austreiben und sich verwurzeln. So bildet sich innerhalb kurzer Zeit eine dichte Vegetationsschicht, von der die Böschung gehalten wird. Auch einem Hochwasser hält dieser Lebendverbau gut stand. Denn die Pflanzen sind flexibel. Sie können dem Wasserdruck nachgeben und bieten so weniger Angriffsfläche.

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Fichten und Weidenruten wurden als biologische Ufersicherung an der Bottwar in Steinheim verbaut

Der größte Vorteil dieser Sicherungsmaßnahme liegt aber bei den Kosten. Das Baumaterial ist weitestgehend umsonst und die Ausführung kann ohne große Eingriffe erfolgen.
So waren die Verantwortlichen der Stadt Steinheim auch sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit zwischen Bauhof und Forst. Denn innerhalb eines Tages waren durch 4 Mann rund 50m Ufer saniert.


Schuelertotholzmauer - Schüler arbeiten für die Natur

Gemeinsames Projekt der Erich Kästner Realschule mit dem Schwäbischen Albverein und der Stadt Steinheim

Unterricht der ganz anderen Art fand vergangene Woche an zwei Tagen für die Klasse 6 c der Erich Kästner Realschule statt. Im Rahmen einer Projektwoche haben sie mit ihrer Lehrerin Ursula Bay-Schmalz das Klassenzimmer gegen einen Arbeitseinsatz in der Natur und für die Natur getauscht.

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Eine Totholzmauer als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten entsteht

Denn gemeinsam mit Mitgliedern des <strong>Schwäbischen Albvereins</strong> und der Stadt Steinheim sollte eine Totholzmauer als Lebensraum für Tiere und Pflanzen aufgebaut werden.
Damit die Schüler- und Schülerinnen auch wussten um was es geht, wurden zuerst einige bereits bestehende Totholzmauern besichtigt. Max Kubitschek, der Naturschutzwart des Schwäbischen Albvereins und Eric Hirsch, Umweltbeauftragter der Stadt Steinheim, erklärten den Kindern den Sinn und Zweck einer Totholzmauer. Diese ähnelt einem Brennholzstapel, nur das sie größer ist und das Holz nicht gespaltet wird. Zudem soll eine Totholzmauer viele Jahre bestehen bleiben. Durch verschieden große Spalten und Fugen können Amphibien, Reptilien, Vögel, kleine Säugetiere und unzählige Insektenarten einen dauerhaften Lebensraum finden. Aber auch Moose, Flechten und Pilze besiedeln den Holzstapel.

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Schüler/innen der EKRS und Aktive des Schwäbischen Albvereins arbeiteten Hand in Hand

Nachdem die theoretischen Grundlagen vorhanden waren, wechselte die Gruppe auf ein städtisches Grundstück im Kleinbottwarer Gewann Steingrube. Dort hatte der Bauhof im Laufe des Winters mehrer LKW-Fuhren Stammholz von Landschaftspflegemaßnahmen abgeladen.
Aus diesen Stämmen wurde dann eine Totholzmauer aufgeschichtet. Das war gleich zu Beginn Schwerstarbeit, denn die dicksten Stämme sollten als Fundament als erstes aufgeschichtet werden. Da war Teamarbeit und Physik gefragt. Denn nur mit vereinten Kräften und mit Hebeln und Rollen konnten die schwersten Brocken bewegt werden. Mittlerweile war auch <strong>Bürgermeister Thomas Rosner</strong> vor Ort eingetroffen. Er begnügte sich aber nicht damit die Schüler/innen zu begrüßen und ihnen für ihren Einsatz zu danken. Der Bürgermeister war mit Arbeitskleidung und Handschuhen ausgestattet und hat kräftig mitgearbeitet. Das gab den jungen Naturschützern neue Motivation, denn das Wetter war alles andere als frühlingshaft. Der leichte Nieselregen hatte sich zu einem lang anhaltenden Landregen entwickelt. Trotzdem zeigten die Schüler/innen ein erstaunliches Durchhaltevermögen. Ganz nach ihrem Schulmotto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, wurde von tropfnassen Helfern das ganze Material verarbeitet.

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Auch Bürgermeister Thomas Rosner lies sich durch das Wetter nicht abhalten und unterstützte die Aktion tatkräftig

Das Vesper in Form von Grillwürsten und Steinheimer Apfelsaft kam danach sehr gelegen. Für viele der Kinder war das der erste Tag, den sie überwiegend im Regen verbracht hatten. Eine interessante und wichtige Erfahrung. Vor allem, weil der Einsatz trotzdem Spaß gemacht hat. Erfolgreich war er auf alle Fälle. Denn aus einem ungeordneten Holzstapel und einem Berg Lesesteinen wurde ein großes und vielseitiges Biotop errichtet. So war es kein Wunder, dass sowohl die Lehrerin, die Kinder und die Albvereinler einhellig der Meinung waren, dass dies nicht die letzte gemeinsame Aktion gewesen sein sollte. Wobei das nächste Mal dann auch die Sonne scheinen dürfte.


Feierliche Baumpflanzung zum Tag des Baums

Am Sonntag, den 25. April 2010 pflanzten Bürgermeister Thomas Rosner und Mitglieder des Gemeinderats im Beisein von Anwohnern anlässlich des internationalen Tag des Baums eine Vogelkirsche im Baugebiet Ziegeläcker. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor der TSG Steinheim. 

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Stadträte/inn Regina Traub, Uwe Körner, Roland Heck, Bürgermeister Thomas Rosner und Ökologe Eric Hirsch (v. l. n .r.) pflanzten gemeinsam eine Vogelkirsche. Foto: Ralf Poller, Avanti

Bürgermeister Rosner erklärte den Sinn der Pflanzaktion mit folgender Einführung:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
heute wollen wir gemeinsam einen Baum pflanzen. Da die Mitarbeiter des Bauhofs die meiste Arbeit schon vorab erledigt haben, ist unsere Pflanzung mehr symbolisch.
Sie soll auch ein Symbol sein, aber ein Symbol im positiven Sinne des Wortes. Ein Symbol für das Bemühen unserer Kommune, bei allen unterschiedlichen Interessen die berücksichtigt werden müssen, die Wertigkeit der Bäume nicht zu vergessen.
Daher ist dieser Pflanzort hier in unserem Baugebiet „Ziegeläcker“ gut gewählt. Denn hier in diesem Gebiet mußten viele Obstbäume weichen, um unseren Ansprüchen an Wohnraum gerecht zu werden.
Das Baugebiet Ziegeläcker steht aber auch für die Bereitschaft der Stadt Steinheim, Ersatz für den Verlust an Natur zu schaffen.
So ist diese Wildkirsche hier tatsächlich ein Symbol für viele hundert weitere Bäume, die nur wenige Meter von hier als Ausgleichsleistungen gepflanzt wurden.
Für diejenigen unter uns, die als einziges Kriterium ihres Handelns das eigene Wohl akzeptieren, war der Aufwand um die Bäume sicher schon zu groß.
Doch das Verhältnis zwischen Mensch und Baum läßt sich nicht nur rational erklären. Es ist geprägt seit der Zeit, in der der Mensch die Heimat der Bäume, den Wald, verließ.
Auch in der Bibel finden sich Aussagen zum Verhältnis zwischen Mensch und Baum. So heißt es schon im Schöpfungsbericht:
„Und Gott der Herr pflanzte einen Garten und ließ darin aufwachsen allerlei Bäume.“
Aber Gott gab den Menschen auch einen Auftrag, denn im Schöpfungsbericht heißt es weiter:
„Und Gott setzte den Menschen in den Garten, dass er in bebaute und bewahrte.“

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Bürgermeister Thomas Rosner informierte über die Wertigkeit​ von Bäumen für uns Menschen und unsere Siedlungen.

Blicken wir uns heute um, sehen wir mit Ludwigsburg einen der mittlerweile waldärmsten Landkreise in Baden-Württemberg.
Vielleicht eignet sich gerade der Tag des Baums dazu, einmal in Erinnerung zu rufen, dass Deutschland neben einem Wirtschaftsstandort auch Baumstandort bleiben muß.
Von diesen Bäumen die in Deutschland stehen, profitieren nicht nur Vögel und Insekten, sondern letztlich am meisten der Mensch.
Denn schon ein mittelgroßer Baum versorgt 10 Erwachsene mit lebensnotwendigem Sauerstoff. In unseren Städten wirken Bäume als Luftfilter, Staubsauger und Klimaanlage. Grund genug Bäume zu mögen und Bäume zu fördern.

In Steinheim tun wir dies auf vielfältige Weise. Durch die Hochstammaktion konnten in den vergangenen Jahren über 7.500 Obstbäume an Streuobstwiesenbewirtschafter abgegeben werden.
Im Rahmen der städtischen Naturschutzaktivitäten wurden innerhalb von Hecken und Feldgehölzen einige hundert Bäume in der freien Feldflur gepflanzt.

Heute kommt ein weiterer Baum hinzu, ein Prachtexemplar einer Vogelkirsche. Diese Baumart ist der Urvater der Süßkirschen, sie kann bis 20 m hoch werden. Sie blüht im Frühjahr weiß und verwöhnt im Herbst mit kleinen roten Kirschen, die extrem viel Vitamin C enthalten.
Ein toller Baum, der hier in unserem tollen Baugebiet Ziegeläcker genau richtig steht und diese Ecke in einigen Jahren bestimmt dominieren wird. Zumal sich schon eine Anliegerin dazu bereit erklärt hat, eine Gießpatenschaft zu übernehmen. Dafür herzlichen Dank.

Bevor nun die Schaufeln verteilt werden und wir ans Werk gehen, eine letzte Bitte im Zusammenhang mit Bäumen. Seit die AVL ihre Müllgebühren vor einigen Jahren um eine mengenabhängige Komponente erweitert hat, fallen viele Stadtbäume in Ungnade. Denn die Bereitschaft „öffentliches Laub“ auf eigene Kosten zu entsorgen, nimmt rapide ab.

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Der Chor der TSG Steinheim verlieh der Baumpflanzung durch​ seine Liedvorträge einen feierlichen Rahmen.

Bei allen beschriebenen Vorzügen, wir können unseren heimischen Laubbäumen das Schattenwerfen im Sommer und Laubwerfen im Herbst nicht abgewöhnen.
Wir können diese Nebenwirkungen allerdings besser mit dem Bewusstsein ertragen, dass das Leben ohne Bäume nicht möglich wäre.
Und sollten die Beeinträchtigungen im Einzelfall wirklich unzumutbar sein, finden wir sicher eine Lösung – so wie es in der Steinheimer Kommunalpolitik im Umgang mit Bäumen schon lange Tradition hat.


Naturdenkmale wurden auf Vordermann gebracht

Pflegemaßnahmen sichern den Bestand wertvoller Lebensräume​

Natur ist nicht nur, wenn es ungestört wächst. Natur braucht auch Pflege. Insbesondere Naturdenkmale, die einen besonderen Lebensraum schützen und erhalten sollen. Die Stadt Steinheim hat deshalb im Rahmen ihres Landschaftspflegprogramms in diesem Winter in drei Naturdenkmalen größere Pflegemaßnahmen durchführen lassen. Bei einer Rundfahrt verschaffte sich Bürgermeister Thomas Rosner nun einen Überblick.

Neben vielen kleineren Maßnahmen die durch den städtischen Bauhof ausgeführt wurden, investierte die Stadt Steinheim und die Landesverwaltung diesen Winter rund 8.000 Euro in drei große Pflegmaßnahmen, um wertvolle Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. In Absprache mit der Naturschutzbehörde des Landkreises wurden in den Naturdenkmalen Hart und Starenbad in Höpfigheim und in den geschützten Steinbrüchen am Burgberg in Steinheim Gehölze gerodet.

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Der geschützte Halbtrockenrasen auf der Hart liegt nun wieder voll in der Sonne

Auf den Flächen der Hart wurde so die Beschattung der wertvollen Halbtrockenrasen reduziert. Die dort vorkommenden seltenen Pflanzenarten, von der Orchidee bis zum Weidenalant, erhalten so bessere Standortbedingungen. Obwohl dadurch einige größere Bäume fallen mussten, dient die Maßnahme dem Naturschutz. Denn Standorte an denen sich die Trockenspezialisten halten können, sind mittlerweile extrem selten geworden.

Das nicht weit entfernte Starenbad ist ein dreigeteiltes, von Gehölzen umsäumtes Feuchtbiotop. Dort lebt der im Landkreis Ludwigsburg sehr seltene Kammmolch. Der fühlt sich am wohlsten, wenn die Sonne das Wasser in seinem Biotop erwärmen kann. Nachdem die Gehölze im Randbereich teilweise auf Stock gesetzt und alte Kopfweiden zurück geschnitten wurden, können die wärmenden Strahlen der Sonne im kommenden Frühjahr wieder durchdringen.

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Vor den Felswänden in den Steinbrüchen am Burgberg wurden Gehölze gerodet

Auch in den beiden als Naturdenkmale ausgewiesenen Steinbrüchen am Burgberg in Steinheim haben die Gehölze im Laufe der Zeit dazu geführt, dass die Felswände und Wiesenbereiche stark beschattet wurden. Die Spalten, Ritzen und Höhlen in den Felswänden der Steinbrüche sind ökologisch besonderst wertvoll, wenn sie besonnt werden und sich dadurch erwärmen. Dann nutzen Spezialisten aus der Tier- und Pflanzenwelt schon im zeitigen Frühjahr den Temperaturvorsprung dieser mittlerweile seltenen Lebensräume zur Futtersuche und Brutpflege.

Auf einer Rundfahrt mit dem Höpfigheimer Ortsvorsteher Roland Heck und seinem Umweltbeauftragten Eric Hirsch informierte sich Bürgermeister Thomas Rosner über die Pflegemaßnahmen.
Der Bürgermeister lobte die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Naturschutzverwaltung des Landkreises. Obwohl die Stadt Steinheim auch in finanziell schwierigen Zeiten bereit ist, Geld in den Erhalt von Natur und Landschaft zu investieren, sind die Zuschüsse aus den Landesmitteln ein wichtiger Bestandteil bei der Finanzierung der vielseitigen kommunalen Umweltaktivitäten. 

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Höpfigheims Ortsvorsteher Roland Heck, Bürgermeister Thomas Rosner und​

Lebensraum Totholz

Totholz ist ein charakteristisches Merkmal natürlicher Lebensräume. Darunter versteht man abgestorbene Bäume oder Teile davon, die sich mehr oder weniger schnell zersetzen. Je nachdem, ob die abgestorbenen Bäume noch stehen oder bereits umgestürzt sind, spricht man von stehendem oder liegendem Totholz.
Doch wie viel Totholz gibt es noch in der Natur? In den Wäldern noch sehr viel. Denn bei der Bewirtschaftung durch die staatlichen Forstämter ist der Erhalt von Totholzbäumen als wertvolle Biotope ein Grundsatz. In Streuobstwiesen, wo Totholzbäume ebenfalls besonders wertvolle Biotope sind, gibt es große Unterschiede. In Wiesen, die nicht mehr bewirtschaftet werden, steht ausreichend Totholz. Aber Streuobstwiesen müssen gepflegt werden um sie zu erhalten. Deshalb sollten auch in genutzten Flächen Totholz verbleiben.

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Abgestorbene Baumstämme sollen als Biotop auf Streuobstwiesen erhalten werden.​

Denn rund ein Fünftel aller Streuobstwiesenbewohner sowie über 2500 Pilzarten hängen in irgendeiner Weise vom Totholz ab. Hinzu kommt noch eine unbestimmte Anzahl von Pflanzen, Flechten, Bakterien oder Algen. Je mehr verschiedene Toholzformen vorhanden sind, desto größer ist die Vielfalt der Arten.

"Zerfallsstadien von Totholz"
Die Borke beginnt sich bei fortschreitendem Befall vom Stamm zu lösen. Gleichzeitig erfolgt der Ansturm verschiedener Insektenarten wie Käfer, Fliegen, Mücken, Spinnen, Schnecken oder Holzwespen. Der äußere Teil des Holzkörpers (Bast und Splint) wird von Pilzen und Bakterien schnell abgebaut. Dieser Bereich des Totholzes ist deshalb entsprechend kurzlebig. Der innere Holzkörper wird anschließend von Pilzen durchdrungen, die das Kernholz für viele Insektenarten interessant machen. Die große Insektenvielfalt lockt wiederum Räuber an (z.B. Spechte). Mit zunehmender Zersetzung wird das Holz allmählich zu Mulm umgewandelt. So kann es von Asseln, Würmern besiedelt werden.


 "Steinkäuze und Spechte brauchen Totholz für ihre Bruthöhlen"
 "Totholz als Strukturelement"
Totholz bietet Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten, die nicht direkt am Abbau beteiligt sind:

• Die kleine Waldameise siedelt ausschließlich in Totholz. In ihren Kolonien leben wiederum 20 spezialisierte Käferarten.
• Grabwespen und Wildbienen bringen ihre Brut in vermoderten Stämmen unter.
• In gut durchfeuchteten Stammteilen finden Molche, Salamander, Frösche, Kröten und Schnecken Unterschlupf.
• Greifvögel nutzen Dürrständer als Ansitz für die Jagd.
• In den Wänden alter Höhlen von Spechten leben die am meisten gefährdeten Großinsekten Mitteleuropas.
• Auch Säugetiere, besonders Siebenschläfer und Fledermausarten, sind auf Baumhöhlen angewiesen.

Hi-Totholz 2

Doch das Totholz bringt nicht nur Vorteile für die natur. Auch der Streuobstwiesenbewirtschafter profitiert von den Biotopen. Denn damit lockt er sich Nützlinge auf seine Wiese, die biologisch und kostenlos Schädlinge bekämpfen. Um seine gesunden Bäume muss sich dabei niemand sorgen. Die Spezialisten nutzen nur bereits abgestorbenes Holz.
Deshalb denken Sie im Winter bei der Pflege Ihrer Streuobstwiese daran: "In Totholz ist viel Leben"
Lassen Sie abgestorbene Stämme und Äste solange wie möglich stehen. Die Natur dankt es Ihnen.

Hi-Totholz 3
Baumpilze leben an Totholz. Von ihnen leben unzählige Insekten.​

Bäume im Herbst – viel mehr als nur Laub

Bäume begleiten den Menschen, seit er den Wald, die Heimat der Bäume, verlassen und Siedlungen gegründet hat. Als Richtbaum, Hofbaum, Hochzeitsbaum oder Obstbaum sind Bäume ein wichtiger Bestandteil menschlicher Lebensräume. Durch das hohe Alter das Laubbäume erreichen können, bekommt das Verhältnis Mensch - Baum eine ganz besondere Bedeutung. Manch ein Baum in Steinheim hat schon zwei Weltkriege überstanden und so einen Entwicklungszeitraum von Steinheim begleitet, der weit über menschlichen Möglichkeiten liegt.

Hi-Linde Kleinbottwar
Ohne Bäume gäbe es kein Leben. In der Stadt bereichern sie unser Wohnumfeld, wie diese Linde in Kleinbottwar

Wird heute ein Baum zu einem besonderen Ereignis gepflanzt, geschieht dies auch in der Erwartung, dass der Baum alle bei der Pflanzung beteiligten Menschen überdauert. Steinheim verdankt z. B. die Luthereiche hinter der Kelter oder die Gertrud-Weiler-Linde in Kleinbottwar solch einer Gedenkpflanzung.
Seit einigen Jahren kommt Bäumen auch bei der Städteplanung eine große Bedeutung zu. Denn Laubbäume im Siedlungsbereich haben außer ihrer positiven Auswirkung auf das Ortsbild noch viele weitere Vorteile. Sie filtern Luftschadstoffe aus. Ein großer Baum kann bis zu 100 kg Staub im Jahr binden. Bäume verbessern das Klima, indem sie vor Wind schützen, die Luftfeuchte erhöhen und im Sommer ihre Umgebung kühlen.
Sie sind aber auch ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten, die nur durch Laubgehölze in unseren Siedlungen überleben können. Insbesondere Vögel nutzen Bäume als Nahrungsgrundlage und Brutstätte.

Bäume sind etwas besonderes, denn ohne Bäume gäbe es kein Leben auf der Welt. Daher sollten die beiden natürlichen Eigenschaften von Laubbäumen in Kauf genommen werden. Bäume werfen Schatten und verlieren im Herbst ihr Laub.

Diese beiden Eigenschaften bringen viele Anlieger in Rage. So werden bei der Stadtverwaltung unzählige Bäume in Frage gestellt, nur weil sie im Sommer Schatten werfen und im Herbst Laub verlieren, dass von Anliegern entsorgt werden muss. Würde dabei von der Verwaltung jedem Wunsch nach Fällung der betreffenden Bäume nachgegeben, gäbe es bald keine mehr in Steinheim.

Deswegen gibt es eine Grundsatzentscheidung des gemeinderätlichen Ausschusses für Umwelt und Technik, dass nur in öffentliche Bäume eingegriffen wird, wenn eine Verkehrsgefährdung besteht. Schatten- und Laubwurf sind demnach keine Gründe Bäume in Frage zu stellen. Auch wenn es den einzelnen Betroffenen oftmals schwer fällt, bittet die Stadtverwaltung dafür um Verständnis.